
Judentum und Christentum im Dialog
Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit
Die Kirchen, allen voran die katholische und evangelischen, haben in den letzten Jahrzehnten einen drastischen Wandel in ihrer Einstellung zum Judentum vollzogen. Antisemitismus wurde zur Sünde erklärt und Judenmission verboten. Mit der Erklärung "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 wurde die Haltung der Katholischen Kirche insbesondere zum Judentum grundlegend geändert. Im Geist dieser Erklärung wurde in Österreich 1956 von Prof. Dr. Kurt Schubert der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegründet, in dem sich Vertreter*innen verschiedener christlicher Konfessionen und der jüdischen Gemeinden zusammenschlossen. Der als Verein organisierte Koordinierungsausschuss ist auf verschiedenen Ebenen tätig, vor allem in den Bereichen Bildung und Dialog. Das lokale Komitee in Innsbruck, das von Univ.-Prof. em. Mag. Dr. Roman Siebenrock geleitet wird, kommt mehrmals im Jahr zusammen, um sich über aktuelle Themen auszutauschen und den jährlichen "Tag des Judentums" in Innsbruck vorzubereiten.
Seit dem Jahr 2000 wird auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich am 17. Jänner, dem Vortag des „Tages der Ökumene“, der „Tag des Judentums“ begangen. In der Erklärung des Ökumenischen Rates heißt es unter anderem: „Das Motto für den „Tag des Judentums“ gibt der Apostel Paulus vor: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“ mahnt er im 11. Kapitel des Römerbriefs... Die theologische Verachtung des Judentums und in Folge die gesellschaftliche Abwertung seiner Gläubigen schuf über Jahrhunderte hinweg jenen Nährboden, auf dem das rassistische Gedankengut des Antisemitismus wachsen konnte. Erst seit der Katastrophe der Schoa hat in allen Kirchen ein Umdenken gegenüber dem Judentum begonnen. Seither werden wir uns der Schuld, die die Kirchen und ihre Vertreter auf sich geladen haben, immer deutlicher bewusst. Wir Sind auf dem Weg, den spirituellen und theologischen Reichtum Israels als Fundament unseres eigenen Glaubens neu zu entdecken. Ein Beitrag dazu soll auch der "Tag des Judentums“ in unseren Kirchen sein, den wir in Zukunft jedes Jahr feiern wollen.“
In Innsbruck wird der Tag des Judentums regelmäßig (am Schabbat einen Tag davor oder danach) im Haus der Begegnung in Form eines öffentlichen Gastvortrages zu einem jüdischen Thema mit anschließender Diskussion und Zusammenkommen bei einem Glas Wein begangen. Auch in Vorarlberg werden an diesem Tag verschiedenen Initiativen gesetzt.
Link zum Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit
Interreligiöser Dialog in Vorarlberg
Religionen für den Frieden
Ziel der von Bischof Benno Elbs, Referatsbischof für den Dialog der Weltreligionen, ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe „Religionen für den Frieden“ ist es, frühzeitig Probleme an religiös-sozialen Brennpunkten zu erkennen und gemeinsam handlungsfähig zu werden.
Eingeladen sind die Religionsgemeinschaften in Vorarlberg. Das sind derzeit: Vertreter/innen des Islam, der evangelischen, der orthodoxen und der altkatholischen Kirche, des Judentums, des Buddhismus und der Bahai Gemeinschaft. Für das Judentum wurde Frau Susanna Erdei als offizielle Vertreterin von der IKG für Tirol und Vorarlberg entsandt. Die Plattform wird von Frau Dr. Katharina Weiss von der katholischen Kirche Vorarlberg geleitet.
Die Plattform kommt zu regelmäßigen Sitzungen zusammen, um sich gegenseitig auszutauschen und Initiativen für den Frieden zu setzen. So fand am 21. September 2025, dem internationalen Tag des Friedens, der von der UNO im Jahr 1981 ins Leben gerufen wurde, auf dem Marktplatz in Dornbirn ein multireligiöses Gebet um den Frieden statt. Im Dezember 2024 wurde im LKH Feldkirch der neue interreligiöse Gebetsraum eröffnet, bei dessen Planung unsere Vertreterin Susanna Erdei involviert war. Bei der jährlich kurz vor Weihnachten öffenrlich ausgestrahlten Übergabe des Friedenslichts im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg in Dornbirn, ist die Friedensplattform der Religionen Vorarlbergs, und damit die Vertreterin der IKG für Tirol und Vorarlberg, ebenfalls mit einem Gebet für den Frieden dabei.
Interreligiöser Dialog in Tirol
Multireligiöse Plattform Innsbruck
Die Gründung der multireligiösen Plattform ist einer Initiative der Stadt Innsbruck zu verdanken. Im Zuge der Vorbereitungen für die Jungbürgerfeier 2011 lud die Stadtregierung alle in Innsbruck vertretenen anerkannten Religionsgemeinschaften ein, für diesen Anlass eine multireligiöse Feier zu erarbeiten. So gestalteten erstmals in Innsbruck Vertreter*innen der verschiedenen christlichen Kirchen, des Islam, des Judentums und des Buddhismus das gemeinsame „Gebet für den Frieden“. In der Folge entwickelte sich ein freundschaftliches Miteinander und ein interessierter Dialog zwischen den Religionsvertreter*innen. Aus dem Wunsch, weiterhin zusammenzuarbeiten und mehr voneinander zu erfahren, entstand die „Multireligiöse Plattform Innsbruck“, kurz: MRPI, die als Verein organisiert ist und deren Mitgliederkreis sich mittlerweile vergrößert hat. Sie wird derzeit von Dr. Martina Loth, der Fachreferentin für interreligiösen und interkulturellen Dialog vom Haus der Begegnung geleitet. Für die IKG für Tirol und Vorarlberg wurde Dietmar Shimon Gstrein in die Plattform delegiert.
Zu den Aufgaben zählen regelmäßige Sitzungen zur Besprechung aktueller Themen, die Teilnahme an multireligiösen Einweihungen, die Vertretung gemeinsamer Anliegen und insbesondere die Vorbereitung der "Langen Nacht der Religionen" am österreichweit regelmäßig abgehaltenen Tag der "Langen Nacht der Kirchen", die als offener, religionsübergreifender Dialograum mit musikalischer und kulinarischer Begleitung in der Evangelischen Pfarrgemeinde Innsbruck (Auferstehungskirche) abgehalten wird.
Link zur Multireligiösen Plattform Innsbruck


